16.12.2011 Werra Rundschau
Windkraft über alles
Wir brauchen alternative Energiegewinnung, keine Frage. Aber doch bitte nicht mit aller Gewalt und an allen Standorten.Der Standort Meissnervorland ist ungeeignet. Dieses Tal ist umgeben von Bergen, die eine natürliche Barriere der Windverhältnisse darstellen. Aber kein Problem, dann bauen wir eben so hoch, dass es wieder effektiv werden könnte. In 190 mtr Höhe weht bestimmt genügend Wind um genügend Strom zu erzeugen.
Nur, was wird den Menschen mit dieser Höhe angetan?
Alberode liegt in Augenhöhe der Rotoren.Bei einer Lautstärke von 65 Dezibel kann ich mir nicht Vorstellen, dass keine Lärmbelästigung entsteht, wenn der Wind in unsere Richtung bläst.
Den Strom für Straßenlaternen können wir uns auch sparen. Die Positionslichter werden uns die Heimwege erhellen.
In jedem Dorf der Gemeinde Meißner und in jedem Ort im Werratal werden die Windriesen sichtbar sein, besonders Weidenhausen wird mit den gleichen Problemen zu kämpfen haben wie wir.
Noch ein Satz zur Rendite. Sie wird zu zwei Dritteln an den Mann gehen, der in seiner Heimat Österreich an vorerster Front gegen die Windanlagen kämpft.Hier will er aber auf seinem Grund und Boden, den er nicht bewohnt, welche bauen lassen. Verstehe dies wer will.
Ich appeliere an alle Bürer von Meißner, zeigt euch solidarisch und helft uns, dass dieser Wahnsinn nicht Realität wird.
Roland Just
Ortsvorsteher Alberode
28.11.2011 Brief an den Landrat
Sehr geehrter Herr Landrat Reuß,
heute möchten wir uns, d.h. die Bürgerinitiative „Keine WKA im Meißnervorland“, bei Ihnen vorstellen. Mit großer Sorge mussten wir aus der Presse erfahren (WR 19.10.11), dass in der Gemarkung Alberode, offenbar mit Unterstützung/Billigung der Gemeinde, ein Windpark aus sechs 190 m hohen WKA entstehen soll. Anlässlich eines daraufhin anberaumten Treffens hat sich am 2.11.11 eine Bürgerinitiative zunächst aus Alberöder und Weidenhäuser Bürgern gegründet. Eine Unterschriftensammlung in Alberode (in den anderen Ortsteilen der Gemeinde Meißner läuft die Unterschriftensammlung bzw. ist dort geplant) hat ergeben, dass 80 % der wahlberechtigten Bürger die Pläne ablehnt und die Gemeinde auffordert, dem Vorhaben des Privatinvestors nicht zuzustimmen und auch eine Ausweisung als Vorrangfläche im RROP nicht weiter zu verfolgen.
Die betroffenen Bürger sind keineswegs gegen erneuerbare Energie, im Ort sind Photovoltaikanlagen vorhanden, fast jeder Haushalt nutzt zumindest teilweise nachwachsende Rohstoffe in Form von Holz zu Heizzwecken.
Die geplante Errichtung derartiger Windriesen in geringer Entfernung (1 km ?) von den Ortschaften Alberode, Weidenhausen und Eltmannshausen lässt erhebliche Beeinträchtigungen bis hin zu gesundheitlichen Gefährdungen der Menschen befürchten. Die Planungen sprengen die Integrität und Unberührtheit der Natur, der Landschaft und der vertrauten Heimat.
Dies sind die Qualitäten, die die Bürger vor Ort lieben und die in der Vergangenheit dazu geführt haben, dass Menschen von außerhalb (z.B. Kassel, Hanau…) z.B. in den Ort Alberode gezogen sind und im Prinzip hier keine Leerstände bestehen.
Stichwort Demographie: Alberode ist eine Positivbeispiel dafür, dass Menschen sich hier auch ohne Geschäfte, Gaststätte und sonstige Infrastruktur nicht nur wohlfühlen, sondern dass Zuzügler von außerhalb bewusst ihren Lebensmittelpunkt hierher verlagern. Das hat deshalb funktioniert, weil die Lebensqualität stimmt (Ruhe, saubere Luft, ungestörte, intakte Natur), ein Aspekt, mit dem der Werra-Meißner-Kreis überregional wirbt („Wo möchten Sie leben?“, s. Werbeaktion „Leben, Arbeiten, Wohnen im Werra-Meißner-Kreis.“).
In diesem Sinn würden WKA an der geplanten Stelle absolut kontraproduktiv wirken, weil sie mit einer drastischen Zerstörung (Lärm, Infraschall, Verunstaltung traumhafter Fernblicke in die Landschaft, s. Panoramablick von Alberode aus in jeder Wanderkarte) von Lebensqualität einhergingen.
Und diese Beeinträchtigungen betreffen nicht nur uns Bürger der Gemeinde Meißner, sondern – ein Grund weshalb wir uns an Sie wenden, sehr geehrter Herr Landrat - sind für das gesamte Umland (Altkreis Eschwege und darüber hinaus) in stark negativer Weise relevant.
Abgesehen von einem Windpark auf dem Meißner selbst gibt es kaum einen exponierteren Standort für Windräder als das Meißnervorland.
Als Beispiele für wichtige Standorte mit (Fern-)Blick auf das Meißnervorland sind zu nennen das Kloster Germerode, Berliner Turm (Datterode), Leuchtberg, Werratalsee (vermutlich mit „Discoeffekt“ bei Sonnenuntergang), Radwege u.a. im Werratal, Wasserwanderweg Werra, Aussichtspunkte der neu geschaffenen Premiumwanderwege, wie z.B. Plesse, Heldrastein, Hörne, Rothestein, Schloss Wolfsbrunnen und nicht zuletzt der traumhafte, einzigartige Ausblick vom Schwalbenthal, der im Umkreis von hunderten Kilometern seinesgleichen sucht.
All die genannten Standorte und Aussichtspunkte sind touristische Highlights innerhalb naturgebundener Erholung, die auf die landschaftlichen Schönheiten fokussiert ist und die der Werra-Meißner-Kreis in den letzten Jahren mit zunehmendem Erfolg touristisch beworben hat.
Die häufig gehört Aussage „WKA wirken sich auf Tourismus nicht aus“ stimmt nicht, fast alle Highlights beziehen sich auf eine landschaftsgebundene Erholung, die von den landschaftlichen Schönheiten und Besonderheiten unseres Kreises lebt. Für formatfüllende, durch die Bewegung besonders störende Windräder ist da kein Platz.
Die hohe Lebensqualität in unserem Kreis, nicht nur für Touristen, sondern auch für die ansässigen Bürger dürfte sicher ein Kriterium (neben vielen anderen Anstrengungen) sein, dass sich auch die demographische Situation zuletzt etwas entspannt hat („2011 mehr Zu- als Fortzüge“, WR 10.11.11).
Die politisch Verantwortlichen der Gemeinde und des Kreises („Ein Plan für die Windkraft“, WR v. 5./6.11.11) stehen am Scheideweg. Im Zuge eines um sich greifenden Fukushimaaktionismus (alle politischen Parteien scheinen sich in Sachen Windkraft gegenseitig übertreffen und einander zuvor kommen zu wollen) sehen wir die Gefahr, dass bezgl. der genannten, uns so wichtigen Werte viel, zu viel Kapital für den Werra-Meißner-Kreis verspielt wird.
Apropos Kapital: die laut Zeitung von der Gemeinde Meißner erhofften Einnahmen in Höhe von 40.000 € (bei Ausgaben lt.Haushaltsplan 2011 in Höhe von 4,6 Mio. €, entsprechend 0,9 %) sehen die BI-Mitglieder als ein „Verramschen“ von Qualitäten an, das in keinem Verhältnis zu den absehbaren Verlusten an Lebensqualität, Wertverlusten an Immobilien, Landschaft und Tierwelt stehen würde.
Die von den Projektoren genannte Rentabilität ist vielfach „schöngerechnet“, Unterhaltungskosten und Restwert (Entsorgung) nach 20 Jahren werden oft nicht in das Zahlenwerk mit einbezogen.
Und noch eine Anmerkung zum Thema Kapital: bei den Bürgern kommt die Tatsache ganz schlecht an, dass der Investor und Eigentümer von Gut Mönchhof, Herr Hertwich hier vor Ort seine Windkraftanlagenplanungen vorantreibt, während er in seiner Wohnheimat Oberösterreich als Sprecher einer Bürgerinitiative gegen Windkraftanlagen kämpft (Oberösterreichische Nachrichten v. 10.08.11, Schutzverein „Unser Land ist ungeeignet für Windkraftprojekte“, Verein zum Schutz des Kobernaußenwaldes in den Bezirken Ried und Braunau).
Auf die Problematik der geplanten WKA aus faunistischer und insbesondere ornithologischer Sicht hat bereits der Kreisbeauftragte für Vogelschutz, Herr Brauneis, hingewiesen (WR 21.10.11). Auch wir teilen die Auffassung, dass die Planungen mit dem Erhalt artgeschützter Vögel und Fledermäuse/der Biodiversität rechtlich nicht kompatibel sind.
Sehr geehrter Herr Landrat, wir möchten Sie bitten, sich unseren Standpunkt zu Eigen zu machen und bei den anstehenden Beratungen/Planungen zum Ausbau der Windenergie im Werra-Meißner-Kreis zu berücksichtigen - „Keine WKA im Meißnervorland!“
Bitte besuchen Sie unsere Homepage:
www.gegenwind-meissnervorland.homepage.t-online. de
Dort sind in der Bildergalerie einige Visualisierungen der geplanten Anlage zu sehen.
Die Errichtung von WKA an dem geplanten Standort würde – weit über die lokale Ebene hinaus – zu nicht hinnehmbaren Kollateralschäden führen.
Gern würden wir unseren Standpunkt in einem persönlichen Gespräch mit Ihnen erörtern oder Ihnen vor Ort die besondere Schönheit der Landschaft zeigen.
Die Werra Rundschau erhält eine Kopie dieses Schreibens.